Skeyfare

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Autor Thema: Spielleiten - Dominic Wäsch  (Gelesen 3499 mal)

Offline Makkharezz

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Spielleiten - Dominic Wäsch
« am: 20. Dezember 2007, 10:35:51 »
Hi,
damit mir zumindest der Streber-Spielleiter Award sicher ist, habe ich mir mal folgendes Werk zu Gemüte geführt:

Spielleiten
Vorbereitung und Durchführung von Erzähl- und Rollenspielen
Ein Leitfaden für Spielleiter

Autor: Dominic Wäsch
Verlag: RedBrick Limited
ISBN: 978-1-877451-44-7
Erscheinungsdatum: Oktober 2008
Preis: 22 € (gedruckt)/ rd. 13 € als PDF, z.B. bei DriveThruRPG.com
Anzahl Seiten: 176

Alles drin oder kaum was dran?

Unglaublich: In Deutschland wird seit gut einem Vierteljahrhundert eifrig Rollenspiel betrieben, es gibt Regelsysteme, Settings und Quellenbücher ohne Ende, aber zu der Frage, wie Spielleitung funktioniert, gibt es bisher entweder nur Diskussionen in Rollenspielforen oder wissenschaftliche Texte, die für den Ottonormalverbraucher wenig zugänglich sind.

Vor kurzem sind nun zwei deutsche Autoren auf die Idee gekommen, das zu ändern. Neben „Methodische Spielleitung“ von Florian Berger gibt es nun auch „Spielleiten“ von Domoinic Wäsch, das ich mir die Tage mal zugelegt habe.

Nach Aussage des Autors soll Spielleiten eine strukturierte Anleitung für den SL darstellen, soll beantworten, welche Aufgaben der SL hat und ihm Hilfen und Tipps an die Hand geben, diese Aufgaben zu erfüllen.

Behandelt werden unter anderem folgende Themen

- Bedürfnisse verschieder Spielertypen, Flags und Kicker
- Probleme in der Gruppe und Schwierigkeiten des Spielleiters
- Aufbau und Arten von Abenteuern
- Plots und die 36 dramatischen Situationen
- Vorbereitung und Improvisation
- Mind-Mapping, Konflikt- und Beziehungskarten

Wissenschaftliche Abhandlung oder Laienhaftes Geschreibsel?

Weder noch: Das Buch ist in kurze Kapitel aufgegliedert, verständlich geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Es gibt viele Beispiele zur Verdeutlichung, und wer möchte, kann zu vielen Themen sogar Übungsaufgaben mit Lösungsvorschlägen finden. Auch wenn ich selbst dafür nicht unbedingt zu haben bin, kann ich mir schon vorstellen, dass der eine oder andere diese Übungen nützlich finden wird.

Die Gratwanderung ob und wie Rollenspieltheorie in das Buch einfließen soll, ist gut gelöst worden: Themen wie GNS oder die Spielertypen nach Law werden an passender Stelle kurz angesprochen, aber nicht noch einmal in aller Länge ausgeführt. Auf diese Weise lernt man Begriffe kennen, die in Diskussionen immer wieder auftauchen. Wer sich tiefer damit beschäftigen will, hat dann wenigstens schon einmal davon gehört und kann sich im Internet oder Buchhandel weitergehende Informationen besorgen. Anstelle der englischen Fachbegriffen wie z.B. C-Map werden die deutschen verwendet, und es wird weitgehend auf Fachjargon verzichtet.

Nur an einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Ansatz zu theoretisch und zu weit von der Praxis entfernt ist, zum Beispiel die Einteilung in situationsbasierte, ortsbasierte oder ereignisbasierte Abenteuer. Statt dessen hätte ich mir mehr kurze und knackige Tipps gewünscht, z.B. dass man auf die Ideen seiner Spieler lieber mit „Ja aber“ als mit „Geht nicht“ antworten soll.

Dogma oder Freidenkertum?

Angenehm finde ich, dass man nicht das Gefühl bekommt, der Autor würde die einzige Wahrheit vermitteln wollen. Es wird schon deutlich, dass eine Reihe von Betrachtungen und Techniken aufgelistet sind, aus denen sich jeder SL bedienen kann, aber nicht muss. Am Ende einiger Kapitel gibt es auch noch eine kurze Passage, die mit „Auf den Zahn gefühlt“ überschrieben ist. Dort werden dann vom Autor selbst auch Gegenargumente zum vorher behandelten Thema eingebracht. Zum Beispiel folgt am Ende des Kapitels über Spielertypen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse die Frage, wie sinnvoll solch ein „Schubladendenken“ ist. Natürlich dient das eher dazu, Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Trotzdem finde ich es sinnvoll, diese Bedenken auszusprechen.

Noch eine Kleinigkeit: Es wird die Auffassung vertreten, dass der SL nicht für sämtliche Schwierigkeiten allein verantwortlich ist, dass er auch ein Recht darauf hat Spaß zu haben, und dass es wenig Sinn macht, wenn er sich sehr unter Druck setzt. Da man sich als SL oft als Einzelkämpfer und Alleinverantwortlicher fühlt, tut es gut, mal ein anderes Bild gezeichnet zu bekommen.

Für blutige Anfänger oder alte Hasen?

Für erfahrene Spielleiter, die sich bereits mit Rollenspieltheorie beschäftigt haben, oder die schon häufiger in Rollenspielforen über SL-Techniken und Probleme diskutiert haben, hält das Buch wahrscheinlich keine Aha-Effekte bereit. Ich selbst gehöre mit Sicherheit nicht zu den altgedienten Rollenspieltheoretikern und konnte trotzdem wenig Neues entdecken. Aber das Wissen und die Ideen und Anregungen, die sich mir nach und nach im Internet und in Forendiskussionen erschlossen haben, sind hier einmal übersichtlich zusammengefasst worden.

Dann gibt es da aber auch noch die neuen Spielleiter oder die alten Hasen, die bisher aber nie viel über ihre Spielweise reflektiert haben, bzw. sich dafür keine Anregungen von außen geholt haben. Dies ist meiner Meinung nach die Zielgruppe des Buchs, denn sie werden in dem Buch jede Menge aufschlussreiche Betrachtungen, viele Tipps und eine nützliche Materialsammlung finden.

Schnäppchen oder ein halbes Vermögen?

Das Buch kostet gedruckt 22 €, das PDF bekommt man für rd. 13 €. Einerseits nicht gerade wenig Geld für ein Buch mit 176 Seiten. Andererseits sprechen wir hier nicht von einer Massenproduktion. Ob man das Geld investieren möchte, hängt letztendlich wohl davon ab, wie viel nützliche Informationen man individuell daraus ziehen kann.

Top oder Flop?

Mit „Spielleiten“ hat Dom Wäsch sicherlich nicht das Rad neu erfunden. Es ist ihm aber gelungen, den Inhalt oft diskutierter Spielleiter-Themen strukturiert zusammenzufassen und anschaulich darzustellen.

Wer sich nicht scheut, mal über den Tellerrand hinauszuschauen und über seinen eigenen Leitstil nachzudenken, wer bereit ist auch mal neue Anregungen auszuprobieren, wer noch wie was von Flag-Framing oder Bass Playing gehört hat, der kann von dem Buch mit Sicherheit profitieren.

Ciao
Makk
We stopped looking for monsters under our bed when we realized that they were inside us.

Offline kolvar

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Re: Spielleiten - Dominic Wäsch
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2007, 11:32:36 »
Gosh, wäre hätte gedacht, dass nach 20 Jahren doch noch mal ein Buch zum Fantasy Rollenspiel in Deutschland erscheint.
"Jeder, der  genaustens Buch über seine geistige Stabilität führt, kann sich sicher sein, daß er etwas vergessen hat, zu notieren."
Aus: Die freundilchen Weisheiten des Kolvar, Bd 1,5,26

Offline kolvar

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Re: Spielleiten - Dominic Wäsch
« Antwort #2 am: 20. Dezember 2007, 11:32:53 »
ach ja: STREBER
"Jeder, der  genaustens Buch über seine geistige Stabilität führt, kann sich sicher sein, daß er etwas vergessen hat, zu notieren."
Aus: Die freundilchen Weisheiten des Kolvar, Bd 1,5,26