Skeyfare

01. August 2021, 22:33:48
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Skeyfare » Online Abenteuer » Abenteuer (Moderator: kolvar) » Die Rache des Satyrn

Autor Thema: Die Rache des Satyrn  (Gelesen 60360 mal)

Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #210 am: 08. Februar 2012, 19:24:43 »
Nur langsam wird Sayuri bewusst, wie knapp Manasse oder sie selbst dem Tod entgangen sind. Nun wird sie leichenblass, und ihre Lippen bewegen sich, als sie ein stummes Dankesgebet an alle wohlwollenden Naturgeister und Gottheiten richtet.

Dann wandelt ihr Schock sich in Entrüstung. Sie stößt den Leichnam mit dem Fuß an und zischt: „Was für ein heimtückischer, mordlustiger stinkender alter Bock!“ schimpft sie und fühlt sich gleich ein bisschen besser. „Was für ein Zauber war das denn, der uns glauben lassen hat, er sei Hernis? Wenn Finte nicht gewesen wäre…“ Sie stutzt, schaut zu Manasse hinüber und fragt: „Es war doch wohl Finte, oder?“ Erst jetzt fällt sie auf, dass der Ritter nicht wissen kann, wovon sie spricht, also erklärt sie ihm, wie die Flöte ihr die Zukunft gezeigt und damit den hinterhältigen Trick aufgedeckt hat.

Immer noch verwundert schüttelt sie den Kopf, und nur die zögerlichen Schritte, die auf der Treppe zu hören sind, halten sie davon ab, weiter nachzugrübeln.
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #211 am: 09. Februar 2012, 11:05:06 »
Die Tür zur Küche öffnet sich vorsichtig und Hernis' Kopf erscheint, er wirft einen Blick auf den Leichnam von Capra und sofort strafft sich seine hagere Gestalt. "Er ist also tot." Er klingt eher zufrieden als geschockt über den Tod des Satyrn und es sieht fast so aus als wolle er der Leiche ebenfalls noch einen Fußtritt verpassen, dann bemerkt er jedoch Manasses Blick und zieht den Fuß zurück.

Manasse reibt sich noch den Hals, er versteckt das blutige Schwert hinter seinem Rücken und recht streng sagt er zu Hernis: "Geht ins Bett, es kann nichts mehr passieren. Es ist meine Aufgabe, hier aufzuräumen. Morgen fürh werde ich eine Versammlung einberufen und allen berichten, was geschehen ist."

Nachdem Hernis mir einem weiteren, neugierigen Blick verschwunden ist stellt Manasse einen der umgekippten Stühle wieder auf und sinkt darauf. Der Ritter sieht nach wie vor mitgenommen aus. "Ich wollte, ich würde auch erleichtert sein. Oder wütend, so wie du. Aber irgendwie sehe ich es als Niederlage an. Noch nicht einmal einen Satyrn kann ich festnehmen ohne dass Blut fließt!"
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Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #212 am: 09. Februar 2012, 16:47:53 »
Sayuri ist vor allem froh, noch am Leben zu sein und hat momentan wenig Verständnis für Manasses Klagen. „Er hat versucht dich umzubringen, und hätte danach wahrscheinlich die kleine Svetja getötet. Da war es doch das einzig Richtige, ihm eine Elle Stahl in die Eingeweide zu jagen. Was hättest du denn sonst tun können, allein gegen so ein Monster, das mehr Magie im kleinen Finger hat als ich in meinem gesamten Körper? Ich für meinen Teil danke den Göttern, dass ich mit heiler Haut davongekommen bin, und dass die Kinder im Dorf jetzt wieder sicher sind. Kann sein, dass dieser Erfolg für einen Ritter nicht groß genug ist, um sich damit zu schmücken, aber ich bin stolz darauf, was ich getan habe.“

Schon steht sie auf und macht sich daran aufzuräumen, vielleicht um ihn zu entmutigen, das Thema weiter zu diskutieren.
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #213 am: 10. Februar 2012, 11:40:29 »
Als Sayrui sich von ihm abwendet schnellt Manasses Arm nach vorne und hält sie auf, er läßt sie jedoch sofort wieder los, starrt sie aber eindringlich an. "Ich wollte ihn verhaften, ihn einem Richter vorführen. Ich brauche kein Lob, aber ich will nicht alle Entscheidungen mit dem Schwert fällen."
Es war ihm offensichtlich ein Bedürfnis, Sayuri dies noch zu erklären, denn dann steht er auf, fasst Capra an den Armen und beginnt ihn durch die Tür zu ziehen. Es fällt ihm nicht leicht, den schweren Körper zu bewegen, aber Sayuri sieht, wie er die Anstrengung genießt, mit rotem Kopf und gewaltiger Muskelanstrengung gelingt es ihm schließlich.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #214 am: 10. Februar 2012, 19:42:34 »
„Du hast dein Bestes versucht, die Sache nach dem Gesetz zuende zu bringen“, erwidert Sayuri noch, „es war seine Entscheidung, Gewalt anzuwenden.“ Damit ist für sie alles gesagt. Sie beobachtet etwas besorgt, dass Manasse immer noch aufgewühlt zu sein scheint, sieht aber auch keinen Sinn darin, weiter auf ihn einzureden. „Das muss er wohl mit sich selbst ausmachen“, murmelt sie, als er aus der Tür ist.

Dann kümmert sie sich darum, drinnen alles wieder in Ordnung zu bringen – zumindest hat sie das vor. Aber kurz darauf sitzt sie am Tisch, ohne die Unordnung um sie herum wahrzunehmen und betrachtet die Flöte in ihrer Hand. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie dort hingekommen ist, und auch nicht daran, die Flöte aus ihrer Tasche genommen zu haben, aber kaum entsteht dieser Gedanke, verflüchtigt er sich auch schon wieder.

Selbstvergessen fährt ihre Hand über das hübsch gemaserte Holz, über die sorgfältig geschnitzten Löcher, und noch während sie in Gedanken ganz mit der Frage beschäftigt ist, wie Finte sich wohl in seiner magischen Wohnstätte fühlt, hört sie eine Melodie in ihrem Kopf, die gleichzeitig harmonisch und doch wild und ausgelassen ist. Voller Vorfreude auf diese zauberhafte Musik setzt sie das Instrument an ihre Lippen…
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #215 am: 11. Februar 2012, 12:00:59 »
Manasse zieht und zerrt an Capras Körper bis er ihn schließlich aus dem schmalen Hausflur bis an den Waldrand geschafft hat. Irgendwie hat er das Bedürfnis, den Satyrn nicht im Dorf vor den Augen aller auf der Straße liegen zu lassen. Er bettet ihn unter eine Tanne, faltet seine großen Hände, die vor einigen Minuten noch seinen eigenen Hals umschlossen hatten und kann keinen Hass in sich finden. Nur Trauer, dass vielleicht wieder einmal einige Menschen, die sich der schwarzen Magie verschrieben hatten (oder was auch immer, was wusste er schon davon!) letztendlich diesem Naturwesen den Tod gebracht haben.
Er kniet sich hin, schließt die Augen und schickt das Totengebt Amabeas in die dunkle Nacht. Danach fühlt er ein wenig besser, er bedeckt die Leiche mit einigen Tannenzweigen und macht sich auf den Rückweg zu dem Hof von Hernis.

Als er das Haus betritt hört er schon die muntere Melodie aus der Küche, doch statt sie genießen zu können stellen sich ihm alle Haare auf und er hält sich unwillkürlich am Türrahmen fest. "Bitte nicht, nicht schon wieder!" stößt er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Sein Puls rast und seine Finger werden so nass von Angstschweiß, dass er kaum den Rahmen festhalten kann.
Zwei, drei Wimpernschläge, dann merkt Manasse, dass es ihn nicht zurück in die Flöte gezogen hat, sondern er in Sicherheit auf dem Flur steht. Ganz langsam läßt er den Rahmen los, schüttelt sich den Schweiß aus den nassen Haaren und versucht zu grinsen. "Na, du bist ja ein toller Ritter, willst du jedes Mal, wenn du Musik hörst weinen wie ein Neugeborenes? Reiss dich zusammen!"

Kaum hat er die Küche betreten bleibt er erneut stehen und starrt in die Raummitte. "Ich kann ihn sehen!" flüstert er und kann den Blick nicht abwenden.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #216 am: 11. Februar 2012, 20:08:04 »
Denn Berlaturs Gestalt ist wahrhaft imposant, obwohl sein Körper durchsichtig, nebelhaft ist. Aber sofort beherrscht diese Figur den Raum, allein durch ihre Anwesenheit. Der Dämon ist zwei Köpfe größer als Manasse und so muskulös, dass er ihn ohne Mühe in zwei Stücke reißen könnte. Von Kopf bis Fuß umzüngeln ihn Flammen von einem so intensiven Blau, dass es fast in den Augen schmerzt. In derselben Farbe leuchten auch seine Augen, die Manasse ins Visier genommen haben, gebietend und unwiderstehlich.

Mit einer knappen Kopfbewegung ruft Berlatur den Ritter zu sich. Manasse ist zuerst noch so gebannt, dass er zu keiner Bewegung fähig ist, aber die Musik beflügelt ihn, und im Rhythmus der Flöte macht er zwei Schritte nach vorn. In der Küche ist es inzwischen heiß wie in einem Ofen geworden, jedenfalls kommt es Manasse so vor. Der Schweiß läuft ihm über das Gesicht, und er nestelt am Kragen seines Hemdes, um sich ein bisschen Luft zu verschaffen. Seine Hand streift einen harten Gegenstand. Und es dauert eine Sekunde, bevor ihm einfällt, was er berührt: sein Ordensamulett.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #217 am: 12. Februar 2012, 11:58:44 »
Kalt brennt es in seiner Hand, der Schmerz läßt Manasse rückwärts stolpern, doch das Amulett liegt noch immer in seiner Hand und verbrennt ihn. Verzweifelt versucht er, das Amulett abzustreifen um dem Schmerz zu entgehen und dabei fällt sein Blick auf die Gravur des Stabes, seine Finger streichen trotz der Eiseskälte, die er empfindet über die leicht erhabene Struktur und mit einem Ruck reisst er sich von dem Bann des Dämons los.
Er hebt sein Amulett dem Dämon entgegen und zischt: "Du kannst mich nicht beherrschen, ich bin Manasse Yoash Lewek vom Orden des Stabes. Geh zurück in dein Gefängnis!"
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #218 am: 12. Februar 2012, 16:52:35 »
Sofort verliert die Gestalt an Ausstrahlung, sie ist immer noch zu sehen, wirkt nun aber farblos und ohne Substanz.

Durch Manasses heftige Reaktion wird auch Sayuri aus ihrer Trance geschreckt. Die fließende Melodie wird von ein paar schrägen Tönen durchbrochen, und obwohl ihre Finger sich weiter wie von selbst bewegen, wird der Rhythmus weniger prägnant, und die Musik kann kaum noch den selben Zauber entfalten wie vorher

Der Dämon sieht nun erschöpft aus, gebrochen, und von einem Augenblick auf den anderen ist er verschwunden.

Vollkommen perplex schaut Sayuri auf ihre Hände, in denen sie die Flöte hält. Ruckartig hebt sie den Kopf und sieht Manasse, der mit seinem Amulett im Türrahmen steht. Sie lässt plötzlich die Flöte fallen, als wäre sie glühend heiß, das Instrument schlägt auf dem Holzboden auf und rollte ein Stück weiter, bevor sie vor der Feuerstelle liegenbleibt. 
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #219 am: 13. Februar 2012, 12:54:57 »
Manasse rutscht am Türrahmen hinuner und bleibt dort sitzen, seine recht Hand zeigt in der Handinnenfläche eine heftige Erfrierung.

Dort sitzt er, die verletzte Hand mit der Innenfläche nach oben auf den Knien und kann Sayuri nur müde ansehen. Ganz leise sagt er schließlich: "Ich habe ihn besiegt, hast du es gesehen? War aber ganz schön knapp . .", dann sackt sein Kopf nach vorne und er wird ohnmächtig.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #220 am: 13. Februar 2012, 14:00:43 »
Als er aufwacht, befindet er sich in einer kleinen Schlafkammer, weich gebettet und mit einem Verband um seine Hand, unter dem eine stinkende grüne Masse hervorquillt. Zumindest hat der Schmerz ein bisschen nachgelassen.

Sayuri sitzt auf einem Schemel in der Ecke des Zimmers und fingert an einem kleinen hölzernen Kästchen herum. Als sie sieht, dass Manasse wieder bei Bewusstsein ist, springt sie auf und murmelt hastig ein Gebet, dann schaut sie ihn mit großen Augen an, ein bisschen ängstlich. „Bin ich froh, dass es dir wieder besser geht. Du musst mir verzeihen, dass ich schon wieder dieser vermaledeiten Flöte verfallen bin, aber ich habe überhaupt nicht gemerkt, was mit mir passiert ist. Ich komme einfach nicht dagegen an.“

Ohne ihm die Chance zu geben, etwas zu antworten, spricht sie weiter, wie ein Wasserfall. „Wir finden eine Lösung, du wirst sehen. Weißt du noch, dass ich gestern gesagt habe, ich würde mich um einen Hozkasten kümmern, um die Flöte sicher zu transportieren. Das hatte ich vergessen, und ich bin sicher, es war auch der verflixte Berlatur, der mit meinem Gedächtnis Schindluder getrieben hat, aber jetzt habe ich mich darum gekümmert. Der Schmied fertigt gerade noch eine Kette an, die wir darum wickeln können, mit einem Schloss, und dann kann eienr von uns den Kasten tragen und der andere den Schlüssel, so dass uns nichts mehr passieren kann.“

Kurz holt sie Luft, nur um gleich weiter zu plappern. „Was ist mit dir, du sagst ja gar nicht. Wie geht es dir denn, bist du wieder ganz in Ordnung? Hast du noch große Schmerzen? Oder Hunger? Brauchst du sonst irgendetwas?“
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #221 am: 14. Februar 2012, 11:05:44 »
Für einen Moment schließt Manasse noch einmal die Augen, genießt das weiche Bett und lauscht nur mit halbem Ohr dem aufgeregten Monolg von Sayuri.
Irgendwann merkt er, dass es still geworden ist und eine Frage in der Luft hängt. Bedauernd begibt er sich ins Hier und Jetzt zurück und lächelt Sayuri an. "Äh, was hast du gesagt?" Manasse überlegt kurz. "Ob ich Hunger habe? Ja! Hunger habe ich fast immer, aber jetzt könnte ich ein Pferd essen . .", da fällt ihm Braun ein und er setzt sich aufrecht hin, wodurch seine Hand unangenehm zu pochen beginnt und er sich schnell wieder in das Kissen sinken läßt. Er wirft einen Blick auf seine Hand, bewegt vorsichtig die Finger, verzieht das Gesicht und meint locker: "Na, besser als gedacht, funktioniert schon wieder."
Dann erst scheint er sich an die Geschehnisse zu erinnern und kneift die Augen zusammen: "Berlatur, was er wirklich dort in der Küche? Hast du ihn auch gesehen? Oder habe ich mir das alles eingebildet und die Hand an der Herdplatte verbannt? Ähnlich sähe es mir." Sayuri sieht seinem angespannten Gesicht an, dass er Angst vor ihrer Antwort hat.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #222 am: 14. Februar 2012, 16:25:16 »
Schon bevor Sayuri antwortet, kann Manasse ihr ansehen, dass sie den Dämon tatsächlich gesehen hat. „Glaub mir, das war keine Einbildung. Berlatur war da. Irgendwie hat er sich in meinen Geist eingeschlichen und mich bezaubert, so dass ich ihn mit der Musik aus der Flöte herausgelassen habe, ohne es überhaupt zu merken. Es war, als wäre mein Verstand mit Honig verklebt, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte.“

Da Manasse ihr keine Vorwürfe macht, hat sich ihre erste Aufregung gelegt, aber der Schrecken ist ihr noch immer ins Gesicht geschrieben. „Ein Glück, dass du seiner Macht widerstehen konntest und ihm die Stirn geboten hast, sonst wäre er wahrscheinlich ganz aus seinem Gefängnis ausgebrochen.“ Auch wenn sie nicht ausspricht, dass es ihre Schuld war, ist ihr schlechtes Gewissen klar ersichtlich. „Wir müssen uns etwas ausdenken, damit das nicht wieder passiert.“ Plötzlich hat sie es eilig, zur Tür zu gehen. „Ich besorge dir erst einmal etwas zu essen“, verkündet sie und flüchtet förmlich aus dem Raum.

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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #223 am: 15. Februar 2012, 12:32:23 »
Manasse lehnt sich noch einmal behaglich in den weichen Bettkissen zurück und ist plötzlich ganz zufrieden mit sich und der Welt; er hatte tatsächlich dem Dämon die Stirn geboten, es war kein Trugbild gewesen! Und er hatte ihn zurück in die Flöte getrieben. Sein Blick fällt auf sein Ordensamulett, dass er noch immer um den Hals trägt, vorsichtig, fast ehrfürchtig greift er danach und hält es in der Hand. Er hatte schon immer Ritter werden wollen und nie an der Macht des Stabes gezweifelt, aber es war schon etwas anders, diese Macht am eigenen Leib zu erfahren.

Dann fällt Manasse wieder ein, dass sie mit der Flöte zum Orden nach Euth reisen werden und ein kleines Vögelchen der Angst beginnt in seiner Brist zu schwirren, denn auf dem Rückweg ließ sich ein Besuch zuhause nicht vermeiden, wollten sie nicht einen einwöchigen Umweg in Kauf nehmen. Und so wie er seinen Bruder Amon kannte war er zu dieser Jahreszeit auch im Dorf. "Bei allen Dämonentoren, damit werde ich jetzt auch fertig!"
Er schwingt die Beine aus dem Bett, wackelt mit den Zehen, ist zufrieden mit dem Ergebnis, dann riecht er an der Paste, die unter dem Verband hervorquillt und verzieht das Gesicht. Vorsichtig bewegt er die Finger und ist erstaunt, dass es zwar noch schmerzt, aber schon geringer als noch vor ein paar Minuten und pfeift anerkennend durch die Zähne.

Als er merkt, dass kein Schwindel ihn erfasst blickt er sich im Raum um und sucht sein Hemd und seinen Mantel als Sayuri zur Tür hereinkommt, er wedelt sachte mit der verbundenen Hand. "Wer auch immer diese Paste angerührt hat, richte ihm schon einmal meinen Dank aus."
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #224 am: 15. Februar 2012, 18:07:51 »
„Das war ich. Meine Mutter war die Jesachey in unserer Gemeinschaft, die Heilerin. Und auch wenn ich mich nicht berufen fühlte, ihr nachzueifern, habe ich doch das eine oder von ihr gelernt.“

Bis hierhin hat Sayuri ganz beiläufig erzählt, aber nun stockt sie, und ihre Wangen röten sich. „Die  Paste habe ich mit einem Gebet an Geridia angerührt. Ich weiß, dass du andere Götter verehrst, aber die gewähren mir nicht ihren Segen. Also habe ich es so gemacht wie immer, aber ich wollte damit bestimmt nicht deinen Glauben geringschätzen.“ Obwohl sie Manasse ihr bisher sehr offen begegnet ist, scheint Sayuri unsicher, ob der Ritter ihr das nicht übel nimmt.
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