Skeyfare

17. Februar 2018, 08:38:48
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Skeyfare » Online Abenteuer » Abenteuer (Moderator: kolvar) » Die Rache des Satyrn

Autor Thema: Die Rache des Satyrn  (Gelesen 31020 mal)

Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #240 am: 26. Februar 2012, 18:59:41 »
Dass Manasse ein solches Geständnis macht, überrascht Sayuri, und sie ahnt, wie sehr die fehlende Anerkennung ihn belasten muss. „Ich weiß ja nicht viel über den Orden, und auch nicht über deinen Glauben, aber wie kommt es dann, dass du trotzdem Ritter werden durftest? Muss man dafür nicht…“ Sie wedelt mit den Händen in der Luft, weil sie selbst keine Ahnung hat, welche Anforderungen an einen Stabritter gestellt werden. „Muss man sich nicht irgendwie beweisen? Oder von altgedienten Mitgliedern ausgewählt werden? Ich kann mir jedenfalls nicht denken, dass es besonders einfach ist, in den Orden aufgenommen zu werden.“

Auch wenn sie nicht ganz sicher ist, ob es klug war, so genau nachzufragen und damit vielleicht den Finger in die Wunde zu legen, aber da Manasse so offen gesprochen hat, scheint es ihr auch nicht richtig, einfach darüber hinwegzusehen und das Problem herunterzuspielen. Ganz abgesehen davon, dass sie auch neugierig ist und nichts dagegen hat, mehr über ihren Reisegefährten zu erfahren.
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #241 am: 27. Februar 2012, 11:48:02 »
Seine Antwort begleitet von ausladenden Handbewegungen, es scheint ein Problem zu sein, über das er schon oft nachgedacht hat und es wirkt nicht so als sei es ihm unangenehm mit Sayuri darüber zu reden.
"Ich habe meinen Knappendienst geleistet und der Stab hat mich zum Ritter geschlagen.  Ich hatte vier Leumundzeugen und habe meine Prüfung bestanden. Wenn auch nicht als Jahrgangsbester." Er grinst aber bei den Worten.
"Deshalb steht mien Vater mit seiner Meinung alleine da." Er seufzt. "Aber er ist mein Vater und seine Meinung für mich wichtig. Und dann ist da auch noch mein perfekter Bruder."

Einen Moment grübelt er, dann hebt er den Kopf und fragt: "Wie sieht denn deine Familie deine Wanderlust?"
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laß ich die Wahrheit klirren statt der Sporen."
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Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #242 am: 27. Februar 2012, 15:31:58 »
„Die Wanderlust ist nicht das eigentliche Problem. Unsere Vorfahren sind schließlich auch weitergezogen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Nur leben wir in einem sehr engen Familienverband, und wir verlassen uns aufeinander. Deshalb waren meine Leute ziemlich aufgeregt, als ich mich entschloss, allein loszuziehen und mir die Welt anzusehen. Sie konnten nur an all die Wegelagerer, betrügerischen Händler, blutrünstigen Chuor oder religiösen Famatiker denken, denen ich zum Opfer fallen könnte. Glücklich waren sie also nicht, als ich aufgebrochen bin. Aber sie wussten, es hat nicht viel Sinn, mich davon abzuhalten.“

Das alles hat Sayuri ziemlich leichtfertig gesagt, aber nun kommt ihr Temperament zum Vorschein, und sie schafft es kaum sitzen zu bleiben. „Ich wäre noch verrückt geworden. Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich in ihre Fußstapfen trete, und je mehr ich versucht habe, mir Freiraum zu schaffen, desto mehr hat sie darauf gedrängt. Sie hat es ja nur gut gemeint, aber sie konnte eben nicht verstehen, wie ich dadurch umso mehr das Gefühl hatte, in einem Leben festzustecken, das einfach nicht für mich bestimmt ist.“

Nachdem sie es ausgesprochen hat, wird sie wieder ruhiger und zeigt ein selbstironisches Lächeln „Ich verstehe es ja selbst nicht. Aber gerade deshalb wollte ich weg von Zuhause. Um ein bisschen Abstand zu bekommen, um zu sehen, was hier draußen noch auf mich wartet, und um mir klar zu werden, was ich mit meinem Leben anfangen will.“ Nachdenklich schaut sie Manasse an. „Es muss ein gutes Gefühl sein, wenn man genau weiß, was man erreichen will und dann seine ganze Energie darauf richten kann.“
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #243 am: 28. Februar 2012, 13:44:56 »
Er zieht verblüfft die Augenbrauen hoch. "So habe ich das noch nie gesehen, aber du hast recht. Ich wusste eigentlich schon immer, dass ich Ritter werden will, nur dass ich als wandernder Ritter so schwierige Fälle wie unseren alleine entscheiden müsste - darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht . . . tja, vielleicht wäre es besser, vorher ein paar Informationen einzuholen."
Manasse hebt abwehrend die Hände: "Ich will mich nicht beschweren, bei Amabea! Ich bin glücklich, dass die Götter meine Wünsche erhört haben und bin mächtig stolz darauf, dem Orden zu dienen."

Dann fällt ihm ein, was Sayuri noch erwähnt hat und legt den Kopf schief: "Es sind wirklich schwierige  Zeiten für allein Reisende, da hat deine Mutter wohl recht. Ist dir denn während deiner Wanderung schon Gefährliches passiert?"
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #244 am: 29. Februar 2012, 10:04:41 »
Mit einem Augenzwinkern antwortet Sayuri: „Nicht, bis ich dich getroffen habe.“ Sie schenkt sich nach und schiebt den Weinschlauch zu Manasse hinüber. „Ich weiß schon, dass meine Leute nicht ganz unrecht haben. Also habe ich versucht, die Augen offen zu halten und Gefahren aus dem Weg zu gehen. Wir können schließlich nicht alle Helden sein.“ Sie macht eine vage Handbewegung in Manasses Richtung.
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #245 am: 29. Februar 2012, 19:21:19 »
Zitat
"Nicht, bis ich dich getroffen habe."

Manasse wirkt plötzlich verlegen und lächelt entschuldigend.

Zitat
Sie macht eine vage Handbewegung in Manasses Richtung.

Sayuris Handbewegung beantwortet er mit einer heftigen Abwehrbewegung. "Du weisst, ich wollte nie ein Held sein. Das ist mir peinlich." Trotzdem kann er das Strahlen in seinem Gesicht nicht verbergen.
Manasse schenkt sich nach und lehnt sich bequem zurück.
"Dann ist es dir bestimmt nicht recht, in deiner Reise so festgelegt zu sein - und dann noch in die Stadt mit dem Großen Tempel." Er sieht sie neugierig an.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #246 am: 29. Februar 2012, 21:41:50 »
„Ich weiß nicht so recht. Wir müssen ja Finte helfen, also bleibt nur der Weg nach Euth, ob es mir nun in den Kram passt oder nicht.“ Auch wenn die Worte beiläufig klingen, ist Sayuri wohl schon mulmig bei dem Gedanken an die große Stadt, und schließlich räumt sie ein. „Aber als ich vorhin ein wenig Zeit hatte, da hab ich schon darüber nachgedacht, was mich dort erwartet.“

Fahrig zupft sie ein paar Halme aus dem Heuballen, an dem sie lehnt und beginnt sie zwischen den Fingern zu zerbröseln. „Ich war noch nie in einer so großen Stadt, und die Vorstellung, zwischen all den Mauern zu leben, finde ich ein ziemlich bedrückend.“ Sie sucht nach Worten, um diese irrationale Abneigung abzuschwächen, aber dann gibt sie es auf und sagt statt dessen: „Was die Tempel angeht, und all die Menschen, mache ich mir nicht so viel Sorgen. Sind die Menschen denn nicht überall gleich? Da gibt es die, die meine Lebensweise und meinen Glauben verurteilen würden, und andere, die toleranter sind. Es gibt welche, die sich auf Kosten anderer bereichern und auf den Schwächeren herumtrampeln und andere, die gütig und hilfsbereit sind.“

Sie atmet tief durch. „Alles in allem bin ich wohl schon ein bisschen aufgeregt. Aber trotzdem neugierig. Auf die prachtvollen Gebäude, die großen Märkte, die feinen Kleider der edlen Damen, einfach alles.“

Nachdem sie erst so zögerlich gewesen ist, gewinnt nun die Neugier die Oberhand, und voller Erwartung lehnt sie sich nach vorn. „Wenn wir unterwegs sind, musst du mir alles darüber erzählen. Stimmt es, dass in Euth Zwerge leben?“
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #247 am: 02. März 2012, 11:16:45 »
Manasse streckt sich um größer zu wirken. "Aufgewachsen bin ich dort auch nicht; aber immerhin habe ich insgesamt fast ein ganzes Jahr in der Stadt verbracht, nämlich immer wenn mein Ritter sich in Euth aufgehalten hat. Es ist dunkel in der Schlucht und es stinkt, aber irgendwie ist es einem fast egal, denn es gibt so viel Großartiges und Einmaliges in der Stadt, dass man immer nur mit offenem Mund herumlaufen könnte. Der riesige Tempel, die Burg mitten im Fels . . und dann all die Pilger! Ja, wenn man die Augen offenhält sieht man hin und wieder einen Zwerg, vielleicht auch einen Osispun . . einmal habe ich einen Gelfling gesehen. Sie haben kleine Flügel und riesige Augen!"

Einen Moment stockt Manasse, horcht in sich hinein und meint dann: "Ich freue mich auf die Stadt, aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Hoffentlich versteht Amabea unsere Eile und läßt uns einen großen Bogen um Ärger auf der Straße schlagen."

Dann fällt ihm etwas ein. "Hast du eigentlich ein Pferd?"

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #248 am: 02. März 2012, 14:33:41 »
Sayuri stützt sie die Hände in die Hüften und entgegnet: „Ich fürchte, das habe ich in meinem Gutshaus bei der Dienerschaft zurückgelassen, genau wie mein silbernes Essgeschirr und meinen goldbestickten Seidenmantel.“ Dabei hält sie demonstrativ den kleinen Beutel hoch, in dem ihre wenigen Habseligkeiten verstaut sind. Die Antwort klingt aber nicht wirklich bissig, eher als wenn sie sich über die Gedankenlosigkeit des Ritters amüsiert. „Ich werde mich also damit begnügen müssen zu laufen, es sei denn, du hast noch mehr Talente als du mir verraten hast und kannst ein Pferd herbeizaubern."
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #249 am: 04. März 2012, 18:17:33 »
Manasse bekommt ein seltsam leuchtendes Glitzern in den Augen und Sayuri ahnt plötzlich, wie er als Knappe eine vermeintlich großartige Idee hatte, die sich in der Umsetzung als mittlere Katastrophe entpuppte.
Doch auch dieses Mal ist der Ritter anscheinend von seinem Plan überzeugt, denn er wedelt mit den Händen in der Luft herum und meint geheimnistuerisch: "Na, da werde ich wohl meine Zauberkräfte einsetzen müssen."

Manasse leert seinen Becher Wein in einem Zug. "Geh doch schonmal zu Erborg, den letzten Abend sollten wir seine Gastfreundschaft annehmen und in weichen Betten schlafen. Ich komme dann nach . . "

Tatsächlich geben der Bauer und seine Familie sich Mühe, sie haben den Tisch gedeckt und setzen sich auch zu Sayuri, sie vermeiden jedoch über die Geschehnisse der letzten Tage zu sprechen, sie fragen, was Sayuri als nächstes Reiseziel anvisiert und ob sie immer alleine reist.
Erst nach einer Stunde kommt Manasse dazu, er läßt sich verschwitzt, aber offensichtlich sehr mit sich zufrieden auf die Bank neben sie plumpsen und greift dann ordentlich zu. Auch er vermeidet es über den Tod Karis zu sprechen, berichtet vielmehr wann sie mit dem nächsten Ritter rechnen können und wo sie in einem dringenden Fall Hilfe bekommen können.

Doch alle wirken erleichtert als sie die Tischrunde zeitig aufheben und zu Bett gehen können, Manasse verabschiedet sich bereits jetzt von dem Bauern: "Wir werden morgen noch vor Tagesanbruch aufbrechen, bemüht euch nicht, wir finden alles." Er schüttelt Erborg die Hand und drückt sie einen Augenblick länger als es nötig wäre.

Am nächsten Morgen ist Manasse bereits vor Sayuri auf den Beinen, seine Hand scheint soweit schmerzfrei zu sein, dass er sie ohne Einschränkung benutzen kann, denn Braun ist bereits gesattelt und er putzt mit rotem Kopf die Sattellage einer Fuchsstute, die Sayuri wage bekannt vorkommt. Der verstrubbelte Kopf Manasses taucht unter dem Bauch der Stute auf, er strahlt Sayuri an.
"Das Pferd gehört Finte und er hätte bestimmt nichts dagegen, wenn du es für ihn nach Euth bringst."

Und so brechen die beiden zur Dämmerung an einem Tag, der heiss zu werden verspricht, in Richtung Euth auf. Im Gepäck die Flöte, sicher verwahrt in ihrem Holzkasten, und einem recht kleinen Proviantbeutel, den Erborgs Frau für sie in der Küche bereit gestellt hatte.
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