Skeyfare

23. Oktober 2021, 04:04:51
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Skeyfare » Online Abenteuer » Abenteuer (Moderator: kolvar) » Die Rache des Satyrn

Autor Thema: Die Rache des Satyrn  (Gelesen 62868 mal)

Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #75 am: 21. Oktober 2011, 10:22:25 »
In dieser Sekunde stürzt Manasse aus der Scheune, er starrt Sayuri an und als er sieht, dass ihr nichts passiert ist sieht sie förmlich wie ihm ein mittelschwerer Felsbrocken von der Seele fällt und er dem Flüchtenden nachjagt.
Es ist erstaunlich wie schnell ein so kräftiger Mann laufen kann, trotz der Panik Fergons holt der Ritter auf und wirft sich schließlich ohne jegliche Rücksicht und nicht sehr geschickt einfach in die Beine des Verfolgten und in einem Wirbel aus Beinen, Dreck und Flüchen gehen die Beiden zu Boden.
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Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #76 am: 21. Oktober 2011, 19:18:51 »
Nach einem kurzen Blick auf die Verfolgungsjagd, stürmt Sayuri wieder in die Scheune, vorbei an dem Ehepaar, das für den Moment wie angewurzelt dasteht, entweder geschockt durch ihre heidnisch anmutenden Beschwörungsformeln oder das wilde Gebaren Fergons. Sie schnappt sich die Seile, mit denen Manasse seinen Verdächtigen gerade fesseln wollte und rennt auf die beiden zu, die auf dem staubigen Boden miteinander ringen.

Aus dem Augenwinkel sieht sie einige Dorfbewohner, die innehalten und nun die Szene beobachten. Eigentlich ist sie zu weit entfernt, um Details zu erkennen, aber sie bildet sich ein, in deren Körperhaltung nicht Zurückhaltung zu erkennen, sondern eine Spannung, die entschlossenes Handeln ankündigt. 
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #77 am: 22. Oktober 2011, 12:12:48 »
Als Sayuri sich dem Ringkampf nähert sieht sie, wie Fergon gerade zu einem mächtigen Schlag ausholt und seine Faust Manasse an die Schläfe rammt, der junge Mann taumelt, läßt die Beine seines Gegners jedoch nicht los und hat sich anscheinend das lose hängende Seil um das Handgelenk gewickelt und zieht jetzt daran, so dass der halb aufgerichtete Fergon wieder ganz zu Boden gerissen wird, wo Manasse ihm einen wenig ritterlichen Tritt in den Unterleib verpasst.

Die Dörfler rücken mit Sayuri näher an die Kämpfenden heran und Sayuri hat weiterhin das unangenehme Gefühl, dass einige bereit sind, sich in den Kampf einzumischen. Wenn sie nur wüßte, für welche Seite . .



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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #78 am: 23. Oktober 2011, 09:33:10 »
Da Manasse in der Verhandlung die Dorfbewohner so souverän im Griff hatte,, entschließt sie sich,   erst einmal bei Fergons Festnahme zu helfen. Auf die Schnelle fällt ihr nichts Cleveres ein, sie lässt sich einfach auf die Knie fallen und versucht, Fergons Schultern mit ihrem Gewicht am Boden zu halten, bis Manasse ihn im Griff hat. Doch so einfach ist es nicht. Der Flüchtende windet sich wie ein Aaal, und scheinbar steht er auch immer noch unter der Wirkung ihres Zaubers und gerät bei ihrem Anblick in totale Panik, so dass die Angst ihm zusätzliche Kräfte verleiht.

Das wildes Gerangel, das darauf folgt, wird plötzlich zu einem Gewirr aus zahllosen Armen und Beinen, denn nun haben sich mehrere Dorfbewohner in den Kampf gestürzt. Im ersten Moment ist Sayuri erleichtert über die Hilfe, doch dann sieht sie, wie ein Bauern an Manasses Arm zerrt. Hektisch schaut sie hin und her, um zu begreifen, was die Leute vorhaben, doch plötzlich schießt aus dem unkontrollierten Handgemenge ein Ellbogen hervor, der sie am Kopf trifft. Schmerz explodiert hinter ihrer Stirn, ihr Griff lockert sich, und bevor sie den Anfall von Schwindel abgeschüttelt hat, wird sie zur Seite gestoßen und fällt zu Boden.
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Offline Manasse

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #79 am: 23. Oktober 2011, 15:28:30 »
Ein Moment der Verwirrung folgt; die Stimmen bilden einen unverständigen Klangteppich und die Sternchen vor Sayuris Augen tanzen munter  auf und ab.
Dann hört sie Manasses Stimme, laut, empört, dann wird sie an einem Arm gepackt und auf die Füße gezogen und sieht die Welt wieder klarer; es ist Manasses Hand, die auf ihrem Arm ruht und er blickt sehr zornig auf die Gruppe der Dörfler, die (zum Teil noch auf dem Boden liegend, zum Teil aufstehend und den Dreck von den Kleidern klopfend) um sie herum sind.

Sayuri traut ihren Ohren kaum als Manasse die Gruppe nun anfährt:" Schämt Euch! An einem Tag wie diesem solltet Ihr göttergefällig allen helfen, die diesen Mord versuchen aufzuklären. Sayuri hat einen entscheidenden Hinweis gefunden und Ihr schlagt sie nieder!" Er stemmt die Hände in die Seiten. "Und Fergon wird uns morgen in der entweihten Kapelle noch weitere Geheimnisse offenbaren, die uns helfen werden. Und was tut Ihr? Eine wilde Prügelei anzetteln. Und das alles vor meinen Augen! Was meint Ihr, wie Cuvxana ihr Haupt verhüllen wird, wenn sie von Euren unüberlegten Taten hört." Nun schüttelt er traurig den Kopf. "Ihr habt mich als Vertreter des Ordens beaufragt, diese Tat zu ahnden und niemanden sonst steht es zu, hier ein Urteil zu fällen. Ich muss Euch rügen!"

Mit keinem Wort erwähnt er die Flucht Fergons, sondern schaut erbost in die Runde und wartet auf die Reaktion der Dörfler.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #80 am: 24. Oktober 2011, 07:44:10 »
Ebenso perplex wie alle anderen hört Sayuri sich Manasses Standpauke an. Sie hat einen Moment lang Schwierigkeiten, zu begreifen, was hier vorgeht. Doch als ihre Gedanken wieder klarer werden, konzentriert sie sich auf die Reaktion der Dorfbewohner. Die Leute sind unsicher. Es gibt viel Gemurmel, das teils tatsächlich beschämt klingt, teils aber auch wütend. Auf einmal tritt Frera direkt vor Manasse hin und schaut ihn mit einem Blick an, in dem so viel Schmerz und Wut liegt, dass er sich zusammenreißen muss, um nicht zurückzuweichen. "Es ist mein kleines Mädchen! Ich muss es wissen: Was hat Fergon ihr angetan?"

Erst in diesem Moment springt ein ganz anderer Gedanke in Sayuris Bewusstsein: Wo steckt Fergon? Hektisch sieht sie sich um und entdeckt, dass der Fassmacher sich zwar aus der Menge gelöst hat, während alle auf Manasse fixier waren, dass er aber nur ein paar Meter abseits steht. Sein Blick ist nach innen gerichtet, seine Züge zu einer Fratze der Anstrengung verzerrt. Es sieht aus, als würde er ganz leise zu sich selber singen.

Sayuri stürzt auf ihn zu, nicht sicher, was sie tun will, nur das sie das verhindern muss, was er gerade macht. Doch in dem Moment, als sie ihn erreicht, reisst er die Augen auf und ein verrücktes Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. Heiser schreit er: "Ihr alle werdet bezahlen, jeder einzelne von euch!"
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #81 am: 25. Oktober 2011, 13:05:16 »
Manasse, der erstaunlich gelassen die Reaktion der Dörfler abgewartet hat konzentriert sich auf Frera und schenkt Fergon, der zunächst noch neben ihm stand, für einen Augenblick keine Aufmerksamkeit, erst als er Frera antwortet: "Ich weiss es noch nicht, aber ich werde es herausfinden. Fergon wird mir dabei . . ", wendet er sich dem Mann zu, der in diesem Moment die Verwünschungen ausstößt.

Er sieht wie Sayuri auf den Verdächtigen zustürzt und plötzlich geht es ganz schnell. Manasse springt nach vorne just in dem Moment, wo Sayuri den Mann erreicht und brüllt: "Berühr ihn nicht!"
Sayuri meint nichts weiter in dessen Hand zu sehen als ein Stück Stoff, dass er im Kampf aus Manasses Hemd gerissen hat.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #82 am: 25. Oktober 2011, 18:09:24 »
Zwar hört Sayuri noch die Warnung, doch sie ist mit einem derartigen Impetus losgestürmt, dass sie ihren Schwung in dem Moment nicht mehr aufhalten kann. Ungestüm prallt sie auf Fergon und versucht an ihm Halt zu finden, um nicht zu stürzen, woraufhin beide zur Seite stolpern und um ihr Gleichgewicht ringen.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #83 am: 26. Oktober 2011, 12:39:23 »
Beide stolpern ein paar Schritte und die Dörfler um sie herum weichen ihnen dieses Mal entsetzt aus.
Zu Sayuris Erleichterung passiert zunächst nichts als sie mit dem Mann kollidiert, er hingegen lacht wie irre, fast fletscht er die Zähne und spuckt aus: "Capra kommt und wird sich an euch laben!"

Kaum hat er den Namen ausgesprochen, da prallt auch schon Manasse gegen den Mann, streift Sayuri dabei und wirft Fergon zu Boden. So wütend hat Sayuri den jungen Mann noch nicht gesehen, rücksichtslos reisst er dessen Arme nach hinten und hält dessen Hände hinter dem Rücken zusammen.
"Jetzt  . . reicht es  . . aber .  . endgültig!"

Da hört Sayuri aus der hinteren Reieh der Dörfler ein überraschtes, etwas verängstigt wirkendes Gemurmel.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #84 am: 27. Oktober 2011, 17:31:14 »
Auch wenn sie nicht weiß, was dort hinten vor sich geht, spürt Sayuri, wie sich ihre Nackenhaare aufstellen und das kalte Gefühl von Angst sich in ihrem Bauch ausbreitet. Dann sieht sie die Gestalt, die nur wenige Meter entfernt steht. Auf den ersten Blick wirkt sie menschlich, obwohl sie den größten Dorfbewohner um ein gutes Stück überragt. Dann fallen Sayuri die zwei gebogenen Hörner auf seiner Stirn auf, die Hufe, bepelzte dünnen Beine und ein Schweif, der hin- und her zuckt. Viel beunruhigender ist aber etwas anderes, das sie eher unterbewusst wahrnimmt. Eine Körperspannung, die an einen lauernden Jäger erinnert, ein kurzes Fletschen der Zähne, wie eine tierische Drohgebärde. Vor allem aber seine Augen, in denen nichts Menschliches zu sehen ist, nur eine wilde, ungezügelte Naturgewalt.

Capra wirft seinen Kopf von links nach rechts, scheint für ein paar Sekunden ebenso verwirrt wie die Menschen um ihn herum, dann bleibt sein Blick an Fergon hängen, der in Manasses Griff zappelt und ein irres Grinsen im Gesicht hat.

In einer blitzschnellen fließenden Bewegung dreht der Satyr sich um die eigene Achse und er stößt einen hohen meckernden Laut aus. Alle, die um ihn herumstehen, zucken zusammen oder weichen mit dem Oberkörper zurück, aber niemand scheint in der Lage, sich vom Fleck zu bewegen. Alle starren wie gebannt auf die Gestalt.

Auch Sayuri spürt den Einfluss des Waldgeistes, kann sich kaum von seinem Anblick losreißen. Fasziniert beobachtet sie, wie er ein paar hopsende Tanzschritte vollführt und dabei den Oberkörper hin- und herwiegt. Dann dringt ein Summen an ihr Ohr, eine monotone Melodie in einem langsamen unregelmäßigen Rhythmus. Capras Töne sind leise, doch so tief und voll, dass sie die Vibration im ganzen Körper spürt.

Nun wird das Summen schneller, der Rhythmus treibend, und unter den Menschen wird Unruhe spürbar. Während eben noch alle Augen auf den Satyr gerichtet waren, verlagert sich der Fokus mit einem Mal auf Fergon. Ohne dass Sayuri es bemerkt hätte, umringen die Dorfbewohner nun nicht mehr den Satyr, sondern Fergon und Manasse. Der Kreis wird dichter, die Körperhaltung der Leute erinnert an die des Waldgeistes: lauernd, bedrohlich, zum Angriff bereit. Ihre Absicht eindeutig: es dürstet sie nach Blut.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #85 am: 28. Oktober 2011, 16:52:27 »
Auch Manasse hört dem seltsamen Gesang des Satyrn gebannt zu, vor seinem inneren Auge steht er auf einer Waldlichtung, dann sieht er einen Hirsch durch das Gebüsch brechen und ein Rudel Wölfe, die ihm folgen. Und er spürt den brennenden Wunsch an ihrer Jagd teilzuhaben, seinen wilden Instinkten nachzugeben und das Wild zu verfolgen, zu stellen und zu töten.
Er sieht sich nackt, mit blutverschmierten Oberkörper über der erledigten Beute stehen und den Arm triumphierend in die Höhe reckend, doch dann hört er die Stimme seiner Mutter, die ihn tadelt: "Was mögen denn die Götter wieder von dir halten, Manasse Lewek! Sieh nur, wie du wieder ausschaust - und das am Tag Dragans. Geh und wasch dich, wir wollen nicht zum spät zum Gottesdienst kommen."

Er blinzelt und merkt dann, dass er nach wie vor auf dem Dorfplatz steht, dicht von den Dörflern umringt, in den meisten Mienen kein Moment des Wiedererkennens.
Fergons Augen nun vor Angst weit aufgerissen und Manasse reisst ihn zurück aus der direkten Angriffbahn, da kommt schon die erste Faust und streift ihn an der Schulter.
"Hört sofort auf, ihr seid unter einem Bann, es gibt kein Wild zu jagen!"
Nun greifen 2 Hände nach ihm, versuchen an ihm vorbei Fergon zu erhaschen und Manasse gelingt es nur mit Mühe, sie abzuwehren.
Und noch immer hört er das Gesumme des Satyrn.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #86 am: 28. Oktober 2011, 21:06:21 »
All das beobachtet Sayuri, aber es ist, als würde sie aus weiter Ferne auf die Szene herabschauen. Ihre Gedanken fließen zäh wie Honig. Sie hat das Gefühl, sie müsste dringend etwas tun, doch es gelingt ihr nicht, die Trägheit der Trance abzuschütteln.

Wie von selbst schließen ihre Finger sich um die Flöte, die unbeachtet in der Tasche ihres Kleides gesteckt hat. Von einem Moment auf den nächsten hat sie das Instrument hervorgezogen und an die Lippen gesetzt, fast als wäre die Flöte aus eigenem Antrieb aus ihrem Versteck gesprungen.

Gegen das sonore Summen des Waldgeistes wirkt ihr Klang zunächst piepsig und dünn, aber dann bemerkt Sayuri, wie die Töne Capras Klangteppich durchdringen, scharf wie ein Messer.

Erst jetzt fällt ihr auf, dass sie gar nicht weiß, wie man auf einer Flöte spielt, und dass ihre Finger ohne ihr Zutun flink über die Löcher huschen. Sie kann spüren, dass die Musik eine Wirkung auf die Anwesenden hat, dass sie ebenso mächtig ist, wie die des Satyrs. Nur dass sie keine Ahnung hat, was die Klänge mit den Menschen anstellen werden, macht ihr Angst.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #87 am: 29. Oktober 2011, 20:25:16 »
Zunächst nimmt Manasse den neuen Klang gar nicht wahr, er ist zu sehr damit beschäftigt, den immer schneller schlagenden Fäusten auszuweichen; hat er zunächst noch versucht, Fergon zu schützen muss er ganz schnell feststellen, dass die Dörfler ohne Rücksicht auf ihn einschlagen, so dass er nach kürzester Zeit beiseite treten muss und sich selbst verteidigen. Er spart sich seinen Atem statt weiterer Aufrufe an ihre Vernunft; er weiss wie ein Mob aussieht und dass dieser Blut sehen will.
Er duckt sich und versucht sich vor den Schlägen soweit es geht zu schützen und erst als die Schläge weniger werden hebt er den Kopf und bemerkt nun auch den Klang der Flöte.
Hektisch blickt er sich um um Fergon zu suchen und muss sehen, wie der Satyr, nun mit vor Wut verzerrter Fratze seinen Gesang unterbrochen hat und sich noch ein Ohr zuhält. Mit einem großen Satz springt er dann mitten unter die Dörfler und stößt meckernd hervor: „Dasss wirrrssst du büsssen – mich hierrrrherrrr zu holen . . .und die Flöte ist auch hierrr, tssss!“
Er macht wieder eine seiner seltsamen Tanzbewegungen und Fergon tappt wie magisch angezogen auf ihn zu.
Die Dörfler indes haben inzwischen alle die Fäuste gesenkt und starren nun Sayuri an.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #88 am: 30. Oktober 2011, 08:41:47 »
Auch wenn Sayuri nicht weiß, was mit ihr geschieht und welche Magie hier wirkt, eins begrefit sie: sie kann nicht aufhören zu spielen, sonst wird sie die Kontrolle über die Menschen verlieren, und es ist unberechenbar, wie sie auf das Gefühlschaos reagieren würden, dass die Magie des Satyrn und die der Flöte in ihnen verursacht hat. Aber wie soll sie die Situation auflösen? Sie ist ja kaum Herr ihrer eigenen Sinne und schon gar nicht in der Lage, die Wirkung der Musik zu beeinflussen.

Ein Lachen ertönt, übersprudelnd vor Lebensfreude, aber mit einem Unterton von Schadenfreude. Sayuri schaudert, als ihr klar wird, dass sie es in ihrem Kopf gehört hat. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nicht allein ist. 'Obacht, mein Täubchen', sagt eine melodisch klingende helle Stimme zu ihr, 'ein paar falsche Töne, und diese Leute wissen nicht einmal mehr wie sie heißen. Aber hab keine Angst, zusammen werden wir das schon hinbekommen.' Die Sprecherin legt eine dramatische Pause ein, und Sayuri schon aus der Stille die Boshaftigkeit spüren, die in den nächsten Worten liegt: 'Natürlich müsstest du mir dann auch einen Gefallen tun.'

* * * * *

Das Flötenspiel wird nach und nach langsamer und getragener, die Melodie ist schlicht und lieblich. Alle Umstehenden beginnen sich zu entspannen, und als Sayuri irgendwann das Instrument absetzt und wieder in der Tasche verschwinden lässt, ist die Atmosphäre gelöst, die Dorfbewohner scheinen kaum mehr zu wissen, warum sie eigentlich hier sind. Der Mord, der Satyr, das alles kommt ihnen für den Moment wie ein böser Traum vor.

Manasse allerdings kann sich durchaus an die Musik erinnern, sowohl Capras als auch die der Flöte.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #89 am: 31. Oktober 2011, 14:17:41 »
Als Manasse bemerkt, dass von den Dofbewohnern keine Gefahr mehr ausgeht und auch Sayuri keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt ist konzentirert er sich wieder auf Fergon, der inzwischen etliche Schritte in Richtung Capras getappt ist.
Seine Nackenhaare stellen sich auf als er die triumphierende Fratze Capras sieht, der sich umgedreht hat und nun über seine Schulter hinweg neckisch mit dem Zeigefinger Fergon zu sich winkt. Der Mann ist noch völlig unter dem Bann des Satyrn und Manasse ahnt, dass die Rache des Naturgeistes nicht harmlos ausfallen wird. Ausserdem regt sich Wut in ihm; Fergon gehört, wenn er denn an dem Tod des Mädchens schuld sein sollte, vor ein menschliches Gericht, bei dem Manasse das Urteil fällen wird, nicht so ein ziegenbärtiger Waldschrat!
"Bleibt stehen, ich befehle es!" Er versucht hinter Fergon herzusetzen, doch muss er feststellen, dass sein Geist zwar nicht in denselben Maße wie der der Dörfler unter dem Bann von Sayuris Flöte steht, seine Beine hingegen schon, wie durch eine zähe Suppe aus Schlamm bewegt er sich wie in Zeitlupe und kommt nur unendlich langsam voran.

Erst als die Melodie verklingt und alle aus dem Zauber erwachen wird Manasse wieder beweglich und muss plötzlich aufpassen, dass er nicht nach vorne stolpert; bis dahin kann er Fergon und Capras nur noch am Rande der Siedlung sehen und setzt mit einem Aufschrei ihnen nach: "Nein, du wirst ihn nicht zu dir holen, vergiss das!"
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