Skeyfare

01. August 2021, 10:08:28
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Skeyfare » Online Abenteuer » Abenteuer (Moderator: kolvar) » Die Rache des Satyrn

Autor Thema: Die Rache des Satyrn  (Gelesen 60345 mal)

Offline Chacota

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Die Rache des Satyrn
« am: 23. Juli 2011, 10:23:24 »
"Wie geht nochmal die zweite Strophe weiter?" fragt Sayuri halblaut, aber da niemand außer einer Amsel sie gehört hat, summt sie schonmal wortlos ein paar Töne. Fast gleichzeitig erhellt ein Blitz die finsteren Wolken, und es kracht so laut, dass die junge Frau zusammenfährt.

"Ach ja: ...mit hellem Leuchten, lautem Knall, und des Regens wilde Stürme brausen auf im Donnerhall." Sie schaut hinauf in den Himmel und beschwert sich; "Kein Grund, grob zu werden, ich wär auch so drauf gekommen." Aber sie beeilt sich, weiterzulaufen, denn es hat ganz so geklungen, als hätte der Blitz ganz in der Nähe eingeschlagen.

Inzwischen ist ihr leichter Sommermantel vom Regen schon durchgeweicht, und bald wird sie keinen trockenen Faden mehr am Leib haben. "Wo ist denn nur das verdammte Dorf?" murmelt sie und blickt sich suchend um. Doch sie muss sich eingestehen, dass es keine gute Idee gewesen ist, querfeldein zu laufen. Es dämmert schon, daher muss sie falsch gegangen sein, sonst wäre sie bereits nachmittags angekommen.

Als sie zwischen den Bäumen einen Schimmer sieht, glaubt sie erst an ein Irrlicht. Schnell streicht sie über die Vogelfeder an ihrem bunten Talisman, der an einer Lederschnur um ihren Hals baumelt und macht eine abwehrende Geste mit der linken Hand. Als sie sich weiter nähert, erkennt sie aber unzweifelhaft ein kleines Gehöft, das mitten im Wald liegt. Kurz hält sie inne und wischt sich den Schweiß von der Stirn, um dann mit schnellen Schritten auf das Haus zuzumarschieren.

Noch einmal zuckt ein Blitz über den Himmel, sofort gefolgt von lautem Donner, so dass sie zweimal an die Tür klopfen muss, um gehört zu werden. Als ein grauhaariger drahtiger Mann öffnet, wirft sie die Kapuze zurück und setzt ein gewinnendes Lächeln auf. Sie weiß, dass sie mit ihrem fremdländischen Aussehen auf viele Menschen nicht gerade vertrauenswürdig wirkt. "Verzeihung, ich störe nicht gern, aber ich habe mich auf dem Weg nach Gedinshain verlaufen und suche nach einem trockenen Platz für die Nacht." Sie sieht den Mann zögern und kramt rasch ein paar Münzen hervor, die sie ihm unter die Nase hält. "Mir reicht ein bisschen Heu im Stall als Nachtlager."

Vielleicht ist es das unwirtliche Wetter, das den Bauern umstimmt, vielleicht auch eher die Aussicht auf ein paar Kupferstücke, jedenfalls führt er Sayuri in die Küche des Bauernhauses und murmelt etwas von Suppe. Seine Familie hat sich scheinbar in die kleine Wohnstube zurückgezogen, aber im Augenblick ist Sayuri ganz zufrieden damit, vor neugierigen Blicken verschont zu sein.
\„Es gibt nichts mehr zu beginnen, nichts zu entscheiden. Ich muss es nur noch vollenden.“\

Offline Chacota

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #1 am: 23. Juli 2011, 11:06:58 »
Die Suppe ist dick und würzig, das Brot noch warm und der Käse frisch und Sayuri gratuliert sich in Gedanken zu ihrem Irrweg, der sie hierher geführt hat als sie durch den Donner Pferdegeschirr klappern hört, dann ein lautes Platschen direkt vor der Tür und direkt danach ein lautes Klopfen an der Tür.
Und noch ehe der Bauer aus der Nebenstube Zeit findet in die Küche zu kommen wird die Tür schon aufgestoßen und mit einem Schwall Wasser tritt ein junger Mann in Sayuris Alter in die Küche. Sofort bildet sich eine Pfütze zu seinen Füßen und als er die Kapuze vom Kopf schiebt taucht ein Wust blonden Haares auf und darunter kaum zu erkennen ein paar dunkelblaue Augen; er misst um die sechs Fuß und Sayuri kann unter seinem gewachsten Mantel eine Rüstung blitzen sehen.
Der Bauer erscheint in der Tür, mit misstrauischem Blick betrachtet er den Neuankömmling, der den Bauern anstrahlt und mit heller Stimme trompetet: „Was für ein Wetter, bei Dragan, so viel Wasser und alles von oben! Mein Name ist Manasse vom Staborden“, wobei Sayuri meint ein gewisses Zögern zu vernehmen, „und ich bitte um Unterschlupf für mich und mein Ross.“
Er pellt sich aus seinem Mantel während der Bauer endlich die Tür schließt, noch immer etwas überrumpelt von dem Auftritt des Ritters. Manasse sieht nun zu Sayuri hinüber, sieht ihren leeren Teller und leckt sich unwillkürlich die Lippen. „Ach, und gegen ein warmes Süppchen hätte ich auch nichts einzuwenden, nur muss ich zuerst den armen Braun aus dem Regen holen, ich schupse ihn einfach in eure Scheune, so viel Heu kann er gar nicht fressen, er ist schon recht dick.“
Der Bauer starrt auf die nun wieder weit offen stehende Tür, blickt kurz zu Sayuri als suche er Rat, schließt erneut die Tür und beginnt einen weiteren Teller mit Suppe zu füllen.
Der junge Mann scheint Mantel und Rüstung in der Scheune abgelegt zu haben, er betritt, nun nicht mehr ganz so nass, die Küche und dreht sich tatsächlich um um die Tür zuzumachen. Ohne Mantel und Rüstung wirkt er ungemein kräftig, auf seiner Brust nun das Amulett des Orden vom Stab zu sehen.
„Ich danke euch, guter Mann, sobald ich meine aufgequollenen Satteltaschen wieder öffnen kann werdet Ihr für eure Gastfreundschaft entlohnt.“ Dann stürzt er sich auf die Suppe und der Bauer meint etwas gestelzt: „Den wandernden Rittern geben wir stets und gerne, edler Herr . .“, dann deutet er eine kurze Verbeugung an und zieht sich mit einem Blick der Erleichterung zurück.
Manasse kratzt bereits den Teller leer und streckt die Beine aus, greift nach dem Brot und reisst ein Stück ab. Dann fällt ihm ein, dass Sayuri ihm gegenüber sitzt und setzt sich rasch wieder aufrecht hin und starrt zwischen seinen Zotteln entschuldigend zu ihr hinüber. „Was müsst ihr von mir denken! Ich bin Ritter Lewek, also Manasse Lewek vom Orden, aber das habt ihr ja schon gehört. Einfach grässlich, diese Sommergewitter, Braun und ich hassen sie.“
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #2 am: 23. Juli 2011, 17:44:14 »
Mit einer lebhaften Geste widerspricht die junge Frau dieser Beschwerde. „Von hier drinnen finde ich es gar nicht mehr so schlimm“, sagt sie mit einem Lächeln. „Außerdem wird’s die Bauern freuen.“ Dann fällt ihr auf, dass der Fremde sich gerade vorgestellt hat, und spontan ergreift sie Manasses Hand und schüttelt sie energisch. „Meine Name ist Sayuri Karnee.“ Obwohl sie wie eine Muttersprachlerin redet und dazu auch noch ziemlich schnell, klingt eine Sprachmelodie durch, die etwas fremdartig anmutet.

Neugierig betrachtet sie ihre neue Bekanntschaft. „Was treibt Euch denn bei so einem Wetter in diese Einöde? Ich dachte immer, wenn Ritter nicht gerade in die Schlacht ziehen, dann sind sie vor allem in den großen Städten zu finden, oder auf Burgen, wo…" Scheinbar weiß sie selbst gerade nicht, was denn die Ritter dort hinzieht. "...na, wo es eben wichtige Dinge zu erledigen gibt.“
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Offline Chacota

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #3 am: 23. Juli 2011, 21:39:19 »
Mindestens genauso neugierig starrt Manasse die junge Frau an und hebt schon an, eine Frage zu stellen, doch dann stockt er und senkt kurz den Kopf: „Die Höflichkeit gebietet es, dass ich zuerst Eure Fragen beantworte.“
Doch dann beginnt er mit dem Löffel zu spielen, wedelt mit ihm herum und prompt fällt er herunter. Manasse bückt sich, seufzt und versucht zu erklären: „Es gibt sehr viele Ritter, die man das wandernde Gesetz nennt, Ritter wie ich, die durch die Hügelstätten reisen und überall mit Rat und Tat helfen, wo sie erwünscht sind. Wir dürfen Urteile fällen und vollstrecken, sollen es sogar.“ Die ersten Worte noch mit ungewohntem Pathos, dann schneller, jedoch ohne Begeisterung. Die kommt erst bei den nächsten Worten durch: „Als ich zum Orden kam dachte ich genau das Gleiche wie Ihr, dass Ritter in großen Schlachten kämpfen und auf den Burgen feiern. Hier bin ich nur, weil . . äh, hier seit Jahren kein Ritter mehr war, da sie alle im Chuorkrieg kämpfen. Die Gegend könnte unsicher geworden sein und da hat mein Campeon mich losgeschickt, um mich . .  also, um hier Präsenz zu zeigen und zu helfen. Mich und Braun.“

Er holt Luft und ist offensichtlich bestrebt, nun schnell das Thema zu wechseln. „Nun seid Ihr dran. Ist euch etwas Seltsames auf Eurer Reise widerfahren, so dass ihr die Hilfe eines Ritters des Ordens benötigt? Und von wo kommt Ihr?“ Dann hält er es nicht mehr aus und platzt heraus: „Zu welchem Volk gehört Ihr? Eine so schöne Hautfarbe habe ich noch nie gesehen!“
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Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #4 am: 24. Juli 2011, 09:27:25 »
Ein fröhliches Kichern entfährt Sayuri. Es ist schwer zu sagen, ob sie sich über die Begeisterung des Ritters lustig macht, aber jedenfalls strahlt sie ihn an. "Ich komme aus [Dorf XY, das eine gute Ecke entfernt ist, aber etwas größer, so dass Manasse es wohl schonmal gehört haben dürfte.]. Aber meine Vorfahren, vom Volk der Kuwiky, die waren in früheren Zeiten auf der Insel Yakirl zuhause. Einige von ihnen hat es dann wohl hierher verschlagen. Vielleicht habe ich ja die Reiselust von ihnen geerbt."

Sie zeigt mit dem Finger auf Manasse und lächelt verschmitzt. "Seltsame Dinge habe ich unterwegs haufenweise gesehen, da würden Euch die Ohren schlackern, wenn ich davon erzähle." Sie wirft ihm einen verschwörerischen Blick zu, beugt sich ein wenig vor und sagt leise. "Wenn Ihr es nicht weitersagt, verrat ich Euch ein Geheimnis: Meine Vorfahren haben mir noch etwas vererbt: Die Gabe, in die Zukunft zu sehen. Wollt Ihr wissen, ob das Schicksal ruhmreiche Schlachten für Euch bereit hält, Wohlstand, eine liebende Ehefrau und viele Kinder? Dann zeigt mir Eure Hand."
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #5 am: 24. Juli 2011, 20:13:35 »
Unwillkürlich beugt sich der junge Ritter auch nach vorne und mit weit aufgerissenen Augen flüstert er: "Ihr lest meine Zukunft in meiner Hand?" Er starrt auf seine Hand, dann, als habe er sich verbrannt versteckt er sie hinter seinem Rücken.
Manasse sieht Sayuri an und ganz schnell verteidigt er sich: "Natürlich glaube ich nicht an solche Gaben, es sei denn, sie kommen von den Göttern. In Euth, dem Sitz meines Ordens gibt es Priester, weise Männer und Frauen, die von ihrer Gottheit solche Fähigkeiten geschenkt bekommen."
Ganz offensichtlich fällt ihm nun aber etwas anderes ein, man kann sehen wie er mit sich ringt und sich schließlich aufrichtet und meint: "Obwohl eine Kräuterfrau meinem Onkel daheim vorausgesagt hat, dass er seine Kreuzschmerzen los würde, wenn er mit dem Melken aufhört. Tata, was geschah?" Er drückt sein Kreuz durch und strahlt dabei wie ein Honigkuchenpferd, ein Bild, das durch den blonden Haarwust, der vom Küchenfeuer beleuchtet wird, noch verstärkt wird.
Er streckt seine Hand aus und anscheinend froh, eine Ausrede gefunden zu haben grinst er Sayuri an und bittet sie: "Es wird die Götter sicher nicht stören, wenn ich deine Meinung erfahre. Was kannst du sehen?"

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #6 am: 24. Juli 2011, 22:19:54 »
Anerkennend sagt sie. "Ein Mann, der seinen eigenen Verstand benutzt, das ist ganz nach meinem Geschmack." Behutsam nimmt Sayuri die schwielige Hand des Ritters in ihre Linke und vollführt mit ihrer rechten Hand wellenförmige Bewegungen darüber. Dann schließt sie die Augen, summt einen Ton und murmelt ein paar Worte, die Manasse nicht verstehen kann.

Plötzlich zuckt sie zusammen und reißt die Augen weit auf. Nach einem tiefen Atemzug wirkt sie aber wieder ganz normal. Sorgfältig studiert sie die Linien in der Handfläche und spricht dann mit bedeutungsschwerer Stimme: "Gefahren werden deinen Weg kreuzen. Ich kann Holz bersten sehen, blitzenden Stahl, und Blut... Aber die Götter haben dir nicht nur einen starken Körper gegeben, sondern auch viel Mut und einen festen Willen, Gutes zu tun. Damit wirst du diese Bedrohungen überwinden, und deine Taten werden dir Achtung und Respekt einbringen."

Sie legt den Kopf schief, als würde sie einer Stimme lauschen, dann sagt sie. "Oh ja, da sehe ich auch eine Dame, an die du dein Herz verlierst. Eine außergewöhnliche Frau, ebenso schön wie rätselhaft."

Sie setzt gerade an weiterzusprechen, lässt aber mit einem Mal kraftlos seine Hand auf den Tisch sinken. "Tut mir leid", sagt sie mit einem müden Lächeln  und reibt sich mit kreisenden Bewegungen die Stirn. "Mehr kann ich im Augenblick nicht erkennen. Es ist eine sehr kräftezehrende Gabe, und mein langer Fußmarsch hat mich wohl mehr erschöpft als ich dachte."
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #7 am: 25. Juli 2011, 19:14:32 »
Manasse hängt an ihrem Lippen, aber das Blitzen in seinen Augen läßt Sayuri ahnen, dass der junge Mann vielleicht nicht ganz so naiv ist wie es jetzt den Anschein erweckt.
"Achtung und Respekt, ach je . .", dann wird ihm bewußt, das Sayuri zuhört und er setzt sich wieder aufrecht hin. "Geben Euch die Linien vielleicht irgendeinen Hinweis, wie ich das bewerkstellige?" Er kneift die Augen zusammen und will eine weitere Frage stellen, doch dann bemerkt er Sayuris Erschöpfung und springt auf. "Wie konnte ich das übersehen, eine Lady nach einem solchen Gewaltmarsch, den Naturgewalten ausgesetzt . . ich werde den Bauern bitten,ein Bett für euch zu räumen."
Und schon geht er mit großen Schritten zur Küchentür und mit ungewohnt bestimmender Stimme teilt er dem Bauern mit, dass dieser ein Bett für die Dame bereitstellen soll.
"Ich werde bei Braun in der Scheune bleiben. Er hasst Donner und Blitz", fügt er entschuldigend hinzu.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #8 am: 26. Juli 2011, 18:18:52 »
Flink springt Sayuri auf und läuft Manasse hinterher, plötzlich gar nicht mehr so erschöpft. Als sie  ihn am Ärmel zu fassen bekommt, hat er aber schon die Anweisung gegeben. An den Mienen der Familie kann sie erkennen, dass es ihnen überhaupt nicht schmeckt, was der Ritter verlangt, sie es aber nicht wagen, sich zu widersetzen.

Schnell mischt Sayuri  sich ein. „Nein, wartet. Das ist wirklich nicht nötig. Ich bin dem Hausherrn sehr dankbar, dass er mich aufgenommen hat. Wir haben vereinbart, dass ich ihn für ein Abendessen und einen Schlafplatz im Heu bezahle, also will ich mich auch daran halten.“ Sie ist nicht sicher, ob Manasse nicht doch darauf besteht, also sagt sie noch. „Ich bin es gewohnt, auf meinen Reisen draußen zu schlafen, oder in einer Scheune, und ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn jemand sein Bett für mich aufgeben muss.“

Sie hält die Luft an und schaut zwischen dem Ritter und den Bauersleuten hin und her.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #9 am: 27. Juli 2011, 10:41:31 »
Manasse kratzt sich unentschlossen am Kopf. "Hm, ich kann Euch nicht zwingen das Angebot anzunehmen, aber ich fühle mich auch nicht wohl bei dem Gedanken, mit Euch im Heu zu übernachten." Sayuri sieht wie Manasse bei diesen Worten unauffällig zu dem Bauern hinübersieht um dessen Reaktion einzuschätzen. Sie meint, ein wohlgefälliges, angedeutetes Nicken bei ihm zu erkennen. Manasse scheint es auch bemerkt zu haben, denn er sieht nun den Bauern an und entscheidet: "Ich werde hier in der Küche schlafen und Euch morgen früh helfen aufzuräumen was der Sturm an Ästen heruntergeweht hat."

Er wendet sich wieder Sayuri zu. "Ich komme mit hinüber und werde Euch mit Braun bekannt machen." Kurz entschlossen reisst er wieder die Küchentür auf, die ihm prompt aus der Hand gerissen wird und gegen die Wand knallt. Putz bröckelt und der junge Ritter stößt einen sehr unritterlichen Fluch aus: "Kreuzbrinbaum, bei allen Waldhexen und Wassernymphen, der Sturm tobt ja immer noch!" Er blickt zwischen Scheune und Haupthaus hin und her, seufzt noch einmal und stellt fest: "Wir werden klatschnass sein, ehe wir drüben angekommen sind. Und mein Mantel hängt drüben. Wartet."
Doch statt loszurennen, geht er recht langsam, fast zögernd durch den Regen zur Scheune und taucht kurz danach mit seinem Mantel wieder auf, er ist tatsächlich bis auf die Knochen durchweicht, doch strahlt er nun und hält Sayuri seinen Mantel hin. "Der wird Euch schützen."
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #10 am: 27. Juli 2011, 20:23:12 »
Verwundert beobachtet Sayuri die ganze Aktion, und erst als Manasse mit seinem Mantel wiederkommt, hat sie begriffen, was er vorhat. Es juckt sie in den Fingern, ihn einfach stehen zu lassen und so wie sie ist in den Regen hinauszugehen, nur um sein Gesicht zu sehen. Aber als sie merkt, wie wichtig es ihm zu sein scheint, bringt sie es nicht übers Herz. Sie hat keine Ahnung wie eine feine Dame in so einem Fall reden würde, also sagt sie nur. „Lieben Dank, aber das hättet Ihr wirklich nicht tun müssen.“

Schnell klemmt sie sich den Beutel mit ihren Habseligkeiten unter den Arm, nimmt einen Kerzenständer aus der Küche mit und wirft sich den Mantel über. Nachdem die beiden durch den Regen gehuscht und im Stall angekommen sind sind, entzündet Sayuri die Kerze und sieht sich um. „Ist das Braun?“ fragt sie, deutet auf den Hengst und geht langsam näher an das Tier heran. „Und er hat Angst vor dem Gewitter? Sieht man ihm gar nicht an. Vielleicht beruhigt es ihn, dass wir jetzt bei ihm sind.“

Sie wartet gar nicht ab, was Manasse dazu sagt, sondern redet nun mit dem Pferd: „Du brauchst dich nicht zu fürchten, mein Großer. Weißt du denn nicht, dass Gewitter etwas Gutes sind?“ Sie lehnt sich gegen die Tür der Box und erzählt Braun eine kleine Geschichte. „Wenn die Naturgeister im Sommer über die Stränge schlagen und einen Wettbewerb daraus machen, wer von ihnen es schafft, den heißesten Tag heraufzubeschwören, dann wird es ihren Artgenossen irgendwann zu bunt. Die Geister des Ackers, die in ihrem Boden Korn und Gemüse reifen lassen, ärgern sich über die Dürre, ebenso wie die Geister des Waldes und gar nicht zu reden von den Flussgeistern. Sie alle kommen zu einer großen Balgerei zusammen, dann blitzt und donnert es, weil ihre gewaltigen Kräfte aufeinander prallen. Meist unterliegen die Sommergeister, und dann regnet es, die Luft wird kühl und klar, und die Bauern sind froh über die Bewässerung ihrer Felder.“
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #11 am: 27. Juli 2011, 21:10:53 »
Tatsächlich wirkt der mächtige Braune nicht besonders besorgt, eher träge reisst er mit den Zähnen große Büschel Heu aus einem der Ballen, die ordentlich an der Scheunenwand aufgereiht sind. Er wirft Sayuri einen kurzen, abschätzenden Blick zu, wertet sie als ungefährlich und frisst weiter, dreht jedoch eines seiner großen Ohren zu Sayuri und scheint ihr offensichtlich zuzuhören.

Auch Manasse hört ihr zu, am Ende fragt er halb, halb stellt er fest: "Es ist eine Geschichte, die man Kindern erzählt oder glaubt ihr an diese Naturgeistgeschichte? Ganala ist doch die Göttin der Natur . . .", er verstummt, kratzt sich am stoppeligen Kinn und beeilt sich den Satz zu beenden: "  . .  aber es ist eine schöne Geschichte. Sie gefällt mir!" Vorsichtig sieht er zu Sayuri hinüber, ob er sie vielleicht beleidigt hat.
Dann verdüstert sich sein Blick wieder. "Was nicht heisst, dass ich es diesen Naturgeistern nicht übelnehme, dass sie ausgerechnet heute abend streiten mussten, wo Braun und ich unterwegs waren." Es wirkt so als sei er tatsächlich persönlich beleidigt.

Manasse greift nach seinem inzwischen triefenden Mantel und wendet sich dem Scheunentor zu. "Braun wird Euch keinen Ärger machen, er weiss wie man sich benimmt. Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht. Sehen wir uns morgen früh noch oder eilt Ihr vor Morgengrauen hinaus in die Hügel?"
Sein Wunsch, morgen nicht alleine mit der Bauersfamilie frühstücken zu müssen mehr als deutlich.


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Offline Makkharezz

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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #12 am: 28. Juli 2011, 18:21:15 »
Sayuri zieht auf Manasses Bemerkung zuerst missbilligend die Augenbrauen hoch und will schon zu einer Erwiderung ansetzen, doch er redet einfach weiter und scheint die junge Frau zumindest davon zu überzeugen, dass er sich nicht despektierlich über ihren Glauben äußern wollte.

„Leider nehmen die Geister oft wenig Rücksicht darauf, welche Folgen ihre Taten für die Sterblichen haben. Ein Reisender, der sich über das schlechte Wetter beschwert, wird sie wenig kratzen, fürchte ich, sogar dann, wenn es ein Ritter des Stabordens ist.“ Zunächst klingt ihr Ton wie eine Belehrung, aber am Ende hat Manasse fast das Gefühl, dass Sayuri sich über sein Quengeln ein bisschen lustig macht.

Auf seine Frage versichert sie ihm, dass sie nicht vorhat, in aller Hergottsfrühe aufzubrechen. „Mögen die Götter Euren Schlaf behüten“, verabschiedet sie ihn, wartet an der offenen Tür, bis er hinausgegangen ist, streicht dann mit der Hand am Türrahmen entlang und vollführt eine kurze Geste. Dann beginnt sie, sich ein Nachtlager aufzuschichten, redet nebenbei noch ein bisschen mit dem Pferd und legt sich dann bald schlafen.

Am nächsten Morgen ist es kaum hell, da schreckt Sayuri hoch. Verschlafen schaut sie sich um, kann aber keine Bedrohung erkennen. Doch dann hört sie, was in ihr Unterbewusstsein gedrungen sein muss: Draußen sind aufgeregte Stimmen zu hören. Dann wird auch schon die Tür zum Stall aufgerissen. „Kaari! Kaari!“ ruft eine junge Frau in den dunklen Stall hinein, mit einem hysterischen Unterton in der Stimme.  Schnell steht Sayuri auf und wirft schnell ihr Kleid über. „Wen sucht ihr?“ fragt sie beunruhigt und wünscht sich im nächsten Augenblick, sie hätte das nicht getan. Die Frau wirft ihr einen misstrauischen, fast hasserfüllten Blick zu, dreht sich um und rennt zum Haus zurück.

Mit einem unguten Gefühl stopft Sayuri schnell ihre Sachen in ihren Beutel, hängt ihn sich um und tritt aus dem Stall heraus.
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #13 am: 30. Juli 2011, 17:24:38 »
Die ganze Bauersfamilie ist auf dem Hof, den angrenzenden Feldern und im Haus selbst hektisch auf der Suche, immer wieder rufen sie den Namen Kari und Sayuri spürt die Panik, die sich langsam ausbreitet.
Es vergehen nur wenige Augenblicke bis einer der jungen Männer, nach seiner Kleidung scheint es einer der Jungbauern zu sein, auf sie zutritt und sich bedrohlich vor ihr aufbaut. "Ihr wartet im Stall - und gebt mir Euren Beutel. Und die Dinge, die ihr am Gürtel tragt. Und betet zu den GÖTTERN, das wir Kari wohbehalten finden."

Sayuri kann noch aus den Augenwinkeln sehen, dass Manasse, nur in Hose und Unterhemd, mit dem Altbauern spricht, dieser deutet nach links in den Wald hinein und dann im Bogen über die Felder, dann zieht er hilflos die Schultern hoch.
Kurz darauf kommt Manasse zum Stall gestapft, nickt Sayuri zu und beginnt, Braun zu satteln. "Schlimme Sache, die kleine Enkeltochter des Bauern ist heute nacht verschwunden."
Er wirft ihr einen schwer zu beurteilenden Blick zu und entscheidet dann: "Ist besser, wenn Ihr Euch da vorerst raushaltet, die Stimmung ist schwierig." Dann zerrt er den unwilligen Braun aus dem Tor und murmelt: "Wo kann sie nur sein, so ein kleines Ding . . "
Zu dem Jungbauern, der wortlos neben dem Tor stehengeblieben war sagt er: "Fangt Ihr auf den Feldern an, ich komme Euch in einem Bogen aus dem Wald entgegen. Achtet darauf, nicht quer durchs Korn zu laufen, vielleicht kann ich vom Pferd aus eine Spur darin ausmachen!"
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Re: Die Rache des Satyrn
« Antwort #14 am: 31. Juli 2011, 14:06:11 »
Obwohl der Bauer sie um einen Kopf überragt, funkelt sie ihn wütend an, aber der Wortschwall, der aus ihr hervorsprudelt ist einzig und allein an Manasse gerichtet. Sie kommt auf ihn zu wie eine Naturgewalt und stupst ihn mit ihrem Finger auf die Brust: "Kommt überhaupt nicht in Frage! Ich werde bestimmt nicht hier sitzen und darauf warten, dass diese Leute mir die Schuld in die Schuhe schieben! Wenn ich bei der Suche nicht helfen soll, dann werde ich meiner Wege gehen, und keiner von euch hat das Recht, mich aufzuhalten. Ich habe niemandem auch nur ein Haar gekrümmt, und es ist nicht richtig, mir meine Sachen wegzunehmen und mich einzusperren. Was für ein Ritter seid Ihr denn, ein solches Unrecht zu dulden?"

Sie hat nun die Hände in die Hüften gestemmt, das Kinn vorgereckt und schaut Manasse kampflustig an.
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