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Die Jungen aus der Feldstrasse, Teil 39 d20 Rollenspiel Orfinlir - die Welt
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Die Jungen aus der Feldstrasse, Teil 39

"Folgen wir ihnen?" frage Tiscio den hügelstättischen Botschafter als sie wieder bei ihrem eigenen Wrack angelangt waren.
"Das wäre vermutlich die einzige sinnvolle Handlung, die sich aus unserem bisherigen Aventüren ergibt. Allerdings ist es überaus Schwierig, Jemandem zu folgen, der solch einen großen Vorsprung besitzt und von dem man nicht weiß, wohin er sich bewegt."
"Dann waren sie schon weg, die Leute, die ihr verfolgt habt?", begrüßte Fabricio die kleine Gruppe.
"Du bist aber sehr gut gelaunt."
"Ich glaube, ich weiß, wie wir etwas über sie herausbekommen können."
"Hattest du wieder eine Vision?"
"Nein, aber ich weiß, wer eine haben kann."
Ausnahmsweise war es Tiscios Gehirn, das am schnellsten arbeitete. Vermutlich hing es damit zusammen, dass seine Gedanken seit seiner kurzen Dienstzeit als Priester, nie weit von der Frühlingskönigin entfernt waren.
"Du willst zur Frühlingskönigin gehen?"
"Hast du auch Visionen?"
"Ne, zum Glück nich'."
"Banniger Plan, nur wie wollt ihr uns wiederfinden?"
"Äh ..." Tiscio, der gerade damit begonnen hatte, sich mit dem Gedanken an eine neue Frühlingskönigin anzufreunden, sah sich plötzlich vor einer unüberwindbaren Wand.
Nicht so Fabtricio.
"Ich vertraue auf meine Frühlingskönigin. Sie wird uns schon einen Weg weisen."
"Deine Frühlingskönigin ist irgendwie anders als Vilet."
"Warum?"
"Weiß nicht. Vilet war eher so: hier hast du einen Hinweis, mach was draus."
"Das stimmt nicht. Sie hat sich schon eingemischt."
"Wann?"
"Bei der ganzen Sache mit den Morden."
"Da war sie aber auch selbst betroffen. Das kannst du nicht zählen."
"Finde ich schon."
"Hey, ihr Döllmer! Ist das jetzt wichtig?"
Gunnar und Tiscio sahen sich einen Moment lang an, dann Malandro. Schließlich nickten sie.
"Nicht das ich das Ganze nicht interessant finde und ein wenig Divination uns nicht helfen würde, aber in dem Fall, dass wir unsere kleine Gruppe aufteilen, sollten wir auch bedenken, dass wir derzeit ohne Waffen eine gefährliche Gruppe von Männern verfolgen, die keine Skrupel besitzen werden, uns ein Leids anzutun."
"Was hat er gesagt?"
"Dass man niemals die Gruppe trennen sollte, wenn man sich auf einen Kampf einstellt."
"Ah."
"Wenn ich mich kurz einmischen darf, Herr Botschafter." Es war erstaunlich wie gut Wachtmeister Wintur die Kunst beherrschte, im Hintergrund zu verschwinden. Es war manchmal so, als wäre er nicht einmal da. Deswegen dauerte es einen Moment, bis jeder seine Zustimmung gegeben hatte.
"So wie ich die Situation einschätze, konnte unsere Mission nie daraus bestehen, gegen die oravahlischen Terroristen in einem direkten Kampf zu bestehen. Unsere vornehmste Aufgabe muss jetzt sein, diese Männer zu finden. Daher wäre mein Vorschlag, dass wir uns tatsächlich aufteilen, wobei ich die beiden jungen Männer begleiten würde. Herr Canil ist immer noch mein Schutzbefohlener."
Gunnar zuckte mit den Schultern, während der Botschafter allen einen abschätzigen Blick zuwarf. Malandro ließ nur den Kopf hängen. Es fehlte nur noch ein Kopfschütteln.
"Wo müssen wir hin?" unterbrach Tiscio die immer unangenehmere Stille. Fabricio lachte und es fehlte nur ein freudiges Händeklatschen.
"Wir müssen nach Süden."
Erneut trat kurzes Schweigen ein.
"Wollen wir dann?"
Damit brachen sie auf und ließen die anderen verwundert zurück.
Aber nicht für lange, denn auch sie sammelten alles nötige, während Milik mit einem seufzen einen Hammer nahm und die wichtigsten Innereien des Ornithopters in kleine Teile zerschlug. Am Ende setzte er auch noch die Steuerkonsole in Brand und stand für einen Moment mit einer Träne im Auge vor der Maschine, um die er sich so lange gekümmert hatte.
Erst als sich Kol Therond neben ihn stellte, öffnete er seine Hand und offenbarte das einzige, was er aus dem Gefährt gerettet hatte: Den Kompass.

Als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte war auch den letzten von ihnen klar, dass sie niemals jemanden einholen würden, der wusste, wohin er wollte, während sie nicht mehr als eine ungefähre Richtung kannten. Trotzdem schleppten sie sich voran, wobei keiner von ihnen darüber sprach, dass sich niemand von ihnen jemals so lange außerhalb der Mauern einer halbwegs zivilisierten Stadt befunden hatte. Selbst die Rundflüge in einem Ornithopter konnten kaum als echte Freiluftbetätigung betrachtet werden.
Die Pflastersteine in Xpoch mochten kein leichter Grund für lange Märsche sein, aber beide Feldstraßler hätten jederzeit gerne den Matsch, die ständigen Kuhlen und die unsäglichen Bäche gegen die glitschigsten, schmutzigsten und versiftesten Straßen ihrer Heimat eingetauscht.
Wenigstens hatte Kol Therond endlich aufgehört, sich zu zieren. Warum er versucht hatte, seine dreckige Gefängniskleidung sauber zu halten, war den beiden unbegreiflich gewesen, aber nachdem er in einem jener verhassten Bäche ausgerutscht war, hatte auch er eine etwas entspannte Haltung angenommen. Oder eine niedergeschlagenere. Genau konnte man es bei dem Botschafter nicht sagen.
Der Tag nahm jedoch einen besseren Ausgang, als sie hatten erwarten können. Den ganzen Tag hatten sie alle Behausungen gemieden, was ihr vorankommen nur noch verlangsamt hatte. Als sich die Sonne jedoch dem Horizont näherte, waren sie auf eine Lichtung gestolpert, die sich als kleiner Bauernhof herausstellte. Als sie endlich verarbeitet hatten, dass sie einen weiteren Umweg machen mussten, hatte sich bereits ein Mann mittleren Alters von seiner Arbeit aufgerichtet und betrachtete sie misstrauisch.
"Wohin des Wegs?" oder etwas Ähnliches rief er ihnen zu, während er ein paar Personen, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine Familie waren, zuwinkte, damit sie sich vom Feld verzogen. Genau konnten sie es nicht sagen, da sie die Sprache nicht richtig verstanden.
"Äh", war alles, was Gunnar hervorbrachte.
Malandros "Verdammt" war zwar etwas aussagekräftiger, aber auch keine Antwort. So blieb es Kol Therond überlassen, das Gespräch zu führen (niemand konnte von einem Buttler oder einem trauernden Mechaniker verlangen, dass sie sich in einer fremden Sprache mit einem Bauern unterhielten).
"Wir sind Wanderer, die sich verlaufen haben. Sie ... wie ist das Wort? ... kennen nicht vielleicht einen Weg zu einem Bett?"
"Ein Bett? Hier gibt es kein Bett. Sie meinen eine Gaststätte?"
"Hätten sie vielleicht ein Dach für uns?"
"Sie suchen eine Unterkunft?" Es dauerte einen Moment, bis der Botschafter nickte. "Sie können in der Scheune schlafen."
"Ich danke ihnen sehr Leberich." Kol überdachte einen kurzen Moment seine Worte, fügte dann aber hinzu: "Ach, sind wahrscheinlich ein wenig Leute hier vorbeigekommen. Sieben, sollten es sein."
"Sieben Männer? Ja, da waren Männer vor zwei Tagen, aber sie haben nicht mit uns gesprochen."
Nachdem der Botschafter es ihnen übersetzt hatten, hatten die Köpfe noch ein wenig tiefer gehangen.
Zwei Tage? Wie sollten sie sie jemals einholen? Gut, dass sie immer noch auf der richtigen Spur waren, hätte sie vielleicht ein wenig aufmuntern sollen. Aber zwei Tage war einfach zu viel.
Also wurden sie in einen Stall untergebracht und erhielten sogar ein wenig Brot und Wasser.
Danach stellte sich nicht einmal mehr die Frage, wer Wache halten sollte. Sie schliefen einer nach dem anderen ein, was auch die Diskussion beendete, ob sie nicht besser die letzten Stunden des Tages hätten nutzen sollen, um wenigstens ein wenig Zeit gegenüber ihren Zielen aufzuholen.

Glücklicherweise waren die Bauern höflicher, als es notwendig gewesen wäre.




Die Jungen aus der Feldstrasse